Paola Bradamante
Geboren am 18. August 1957 in Triest.
Wohnort: Marconi - Straße 21B, Bozen.
Atelier: Dalmazia - Straße 23, Bozen.
Mobiltelefon: (+39) 338 2369572
Webseite: www.paolabradamante.it
E-Mail: paolabradamante@gmail.com
Facebook: www.facebook.com/paolabradamante
FIDA – Italienischer Künstlerverband: www.fida-trento.com/paola-bradamante/
Geboren am 18. August 1957 in Triest. Lebt in Bozen. Sie absolvierte ihr Chemiestudium an der Universität Triest (1981) und spezialisierte sich an der Universität Brescia (1992) auf Chemie und Klinische Biochemie. Nach verschiedenen Berufserfahrungen in Italien und im Ausland (Schweiz) arbeitete sie viele Jahre im Biochemischen Labor des Krankenhauses Bozen.
Schon in jungen Jahren begeisterte sie sich für Zeichnen und Malen (ihre Lehrerin war Professorin und Bildhauerin-Keramikerin Teresa Gruber). Trotz anderer Studien hat sie ihr Interesse an der Kunst stets bewahrt.
Sie malt seit vielen Jahren; ihr erster Lehrer war Professor Roberto Galletti, bei dem sie verschiedene Maltechniken erlernte und diese vor allem beim Studium und Kopieren berühmter Gemälde anwandte.
Sie hat an mehreren weiteren Kursen teilgenommen.
Gleichzeitig entwickelte sie ein persönliches Verständnis von informeller Kunst, ihrer Ausdrucksform.
Sie verwendet Tempera- und Acrylfarben, die sie oft auf besondere Weise verarbeitet, sowie verschiedene Materialien.
Sie hat in mehreren Einzel- und Gruppenausstellungen, vor allem Gemälden, aber auch Fotografien, in Italien (Bozen, Meran, Trient, Padua, Venedig, Vicenza, Mailand, Genua, Savona, Varazze, Turin, Ivrea, Rom, Neapel, Capri) und im Ausland (Basel, Innsbruck, Berlin, London, Figueres, Arles, Las Palmas, Budapest, Moskau, in Europa; Montevideo, Minas Gerais, Fray Bentos, Salto, San José, Uruguay; Buenos Aires, Argentinien) gezeigt.
KRITISCHE ANMERKUNGEN
PAOLA BRADAMANTE, Eugen Galasso
In der Kunst von Paola / Raum / Forma y color / Die blauen Rebellen ohne Farbtest / Mojados-Papiere und molekulare Perspektive
Mojados Papeles Grandes verdades del arte / Buena suerte, colores / Ver todo en el espejo (Eugen)
Im künstlerischen Schaffen der Chemikerin Paola Bradamante findet sich eine wahre Synthese von Kunst und Wissenschaft, wie in Werken wie „Furor Azul“ oder auch „Papeles Mojados“ deutlich zu erkennen ist. Ersteres repräsentiert die (wissenschaftliche und künstlerische) Erforschung der Farbe, während Letzteres den Ursprung der Realität beleuchtet (Wasser ist in allen Kulturen der Welt prototypisch und wird sowohl mythisch als auch logisch-philosophisch erklärt). Doch in Paolas Werk findet sich auch eine andere Synthese, die Synthese zwischen der „abstrakten“ Kunst und der strukturellen Form der „Realität“, auf eine sehr interessante und „konkrete“ Weise. Das Wort „Konkretion“ (woher das Adjektiv „konkret“) wird hier im wörtlichen Sinne von „Geburt“ verstanden, wie es beispielsweise in den Gedanken G.W.F. Hegels zu finden ist. Möglicherweise ist die Künstlerin Paola Bradamante nicht nur Schriftstellerin; in der Erzählung „Tintogato“ (in: P. Bradamante, El Gato y otros cuentos, Montevideo – Brasília, aBrace, 2008, S. 8) heißt es: „Der Mangel an Rotwein bildet ein abstraktes violettes Problem, das im klaren Blau des Glases entsteht.“ Ein kurzer, aber sehr ausdrucksstarker Text, der die Fähigkeit besitzt, zu erzählen, zu „lesen“ und darzustellen, die man immer bei einer wahren Künstlerin findet. Die „Synthese“ hingegen ist die einer Person. Und ein Künstler, der wissenschaftliche und künstlerische Ausdrucksformen (einschließlich Literatur und jeder anderen Form künstlerischen Ausdrucks) zu verstehen weiß, sieht verschiedene Wege, eine und dieselbe Sache aus unterschiedlichen Perspektiven zu beurteilen.
PAOLA BRADAMANTE, Eugen Galasso
Paola Bradamantes kreative Poiesis schöpft aus einem soliden wissenschaftlichen Hintergrund (insbesondere Chemie und Biochemie) und nutzt eine Vielzahl von Techniken. Den Anfang macht Bradamantes Kreation von „Papeles mojados“ (feuchtes, nasses Papier), auf dem Formen und Farben auf eine andere, deutlich lebendigere Weise hervortreten und Harmonien und Kontraste von seltener Wirkung erzeugen. Unterschiedliche Formen und Farben, die jedoch stets der „Welt des Lebens“ (ein Konzept, das auf Husserl zurückgeht) zugehörig sind, die Dr. Bradamante mit wissenschaftlicher, professioneller und zugleich menschlicher Aufmerksamkeit untersucht. Auch die Verwendung von Glas und Plexiglas spielt eine Rolle. Diese Materialien besitzen nicht nur den Wert der Lichtbrechung, sondern vielmehr werden Lichtbrechung und ihre Effekte genutzt, um „durch den Spiegel“ zu blicken (wie der Titel des Buches von Charles Lutwidge Dogson, alias Lewis Carroll, dem Mathematiker und Schriftsteller, der auch „Alice im Wunderland“ verfasste, andeutet). Mit einigen „Punkten“, an denen die Farbe „schreit“, wie in „Furor Azul“ (Blaue Wut), das zugleich poetische Erklärung und ästhetischer Vorschlag ist und darüber hinaus die historisch gefeierte und allzu hart kanonisierte Dichotomie zwischen Figuration einerseits und abstrakter und informeller Kunst andererseits überwindet. Ein reiches und vielfältiges Werk, das jedoch einheitlich auf die Schaffung einer Kunst ausgerichtet ist, die Malerei, andere Techniken, Skulptur und architektonische Perspektiven verschmilzt und sich entschieden einem „Danach“ zuwendet, also einer Kunst, die nach dem Zusammenbruch der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts und der nebulösen sogenannten „Transavantgarde“ und diversen anderen Bezeichnungen sich nicht mit der oft missverstandenen Formel zufriedengibt, die einst als „Tod der Kunst“ bezeichnet und definiert wurde, sondern weiter schafft, im Bewusstsein des ständigen „Work in Progress“ des Schaffens selbst. Mit allem gebührenden Respekt, vor allem vor einem Situationismus, der zu wörtlich verstanden wird…
PAOLA BRADAMANTE, Eugen Galasso
Der britische Wissenschaftler und Schriftsteller (wie Isaak Asimov, Arthur Clarke unter anderen) Charles Percy hatte 1959 den Essay "The Two Cultures" (Die beiden Kulturformen) veröffentlicht, wobei er für eine, anderseits schon von ihm und von andere verwirklichte, Überwindung der Trennung der beiden "Kulturen", das heißt Wissenschaft und "Humanwissenschaften" plädierte... Die Spaltung besteht in einigen Ländern (speziell in Italien und Spanien, wohl aber nicht nur dort) immer noch, zumindest zum Teil, doch nicht mehr wie damals... wo immer noch Denkschablonen wie jene des philosophischen "Idealismus" (Schelling, Hegel, Croce usw.) die Wissenschaften nicht oder nur teilweise als eigentliche Erkenntnisse akzeptieren. Die Malerin Paola Bradamante ist Doktor der Chemie und als Chemikerin tätig, doch widmet sie einen weiteren Teil ihres Lebens und ihrer Tätigkeit der Kunst, wobei sich dabei überhaupt keine Krise vollzieht, beide Fähigkeiten und die damit verbundenen Fertigkeiten im Gegenteil glücklich ergänzen. Die Künstlerin arbeitet mit verschiedenen (auch gemischten) Techniken, wobei die theoretischen Kenntnisse, von der Wissenschaft ausgehend, sicher eine große Rolle spielen; sie schafft und schöpft aber anderswie, von ihrer Intuition und von den Kunstkenntnissen ausgehend. Die Intuition (siehe was Albert Einstein dazu als "Triebfeder" de Relativitätstheorie schreibt) ist also - logischerweise zusammen mit den Fachkenntnissen die der Kunst eigen sind - der wahre Ausgangspunkt Bradamantes Kunst und gilt sozusagen als "Ursache" des malerischen Schaffens. Die sogenannten "Papeles Mojados" (feuchte beziehungsweise. verwässerte Blätter) der Künstlerin entsprechen dem Einbruch in die Traumwelt, die aber völlig als solche aufgefasst wird (vgl. diesbezüglich Shakespeares "The Tempest - Der Sturm" - 4. Akt: "Wir bestehen aus demselben Stoff der Träume", wobei dieselbe Auffassung fast gleichweitig im Drama "La vida es sueño" ("Der Traum ein Leben"- laut Grillparzer - oder "Das Leben ist Traum") von Pedro Calderón de la Barca und (zumindest teilweise) in den philosophischen Werken von René Descartes vorzufinden ist), wobei das Werk "Furor azul" (Blaue Wut) die Traumwelt - wenn man möchte hier auch als "pesadilla / nightmare / Alptraumwelt" zu verstehen - zum Ausdruck bringt und zugleich völlig verwirklicht. Paola Bradamante, die alle Farben und Farbeinschattierungen verwendet, arbeitet oft auch mit Glas - und Plexiglasmaterialien, wobei nicht unbedingt Lacans Auffassung - die der Malerin sicher bekannt ist - zum Thema gelten muss.
PAOLA BRADAMANTE, Severino Perelda
Wege, auf denen sich das Wesen einer Künstlerin erkennen lässt, die im Laufe der Zeit reifte und eine lange gehegte Kreativität wiederentdeckte und neu erfand, trotz der Höhen und Tiefen ihres anderen Berufs, einer Laufbahn in der Wissenschaft. Wege, die durch die künstlerische Sprache die Lebendigkeit eines inneren Temperaments offenbaren, das nach einem Ausweg aus dem nicht immer erfüllenden Alltag sucht – und findet. Paola Bradamante spürte, dass das Bedürfnis nach Ausdruck jede Bedrohung überwinden würde. Nur die Kunst, indem sie Emotionen, vielleicht sogar Stimmungen, zulässt, die manchmal so flüchtig sind, dass sich mehr oder weniger ferne Erinnerungen in sie einschleichen können, vermag einzigartige Empfindungen zu vermitteln, die in der grauen Banalität unauffindbar sind. Ihre Handschrift begleitet beunruhigende Ängste und harmonisiert sie mit Momenten unerschütterlicher Gelassenheit. Die erzählt von Lichtblicken, flüchtigen Augenblicken, Ereignissen, die sich über Jahre hinziehen, unerfüllten Träumen, unerwartet überwundenen Prüfungen, ungelösten Zweifeln, tiefen Leidenschaften. Die verbindet das Dasein mit dem Einsatz von Farbe, einem äußerst intensiven, vitalen und zugleich tiefgründigen Element in jedem ihrer Werke. Die Komposition ist von einer spontanen, lebendigen und unverwechselbaren Geste beseelt, die in all ihren Facetten zugänglich und interpretierbar ist. Weite Windungen, Blitze, Tropfen, Lasuren, Verdickungen, Verdünnungen: die Dynamik eines unvergleichlichen Action Painting. Die Gesamtwirkung, oft von einer fast thematischen Farbe dominiert, verschmilzt mit einer Reihe von Tonwertvariationen. Plötzlich, unaufhaltsam, wird die Linie von wirbelnden Strömungen fortgerissen. Der Impuls nimmt zu. Dann, unerwartet, verfliegt er; die treibende Kraft schwindet, und neue Bereiche entstehen, die durch neue chromatische Affinitäten miteinander interagieren. Die Linie ändert erneut ihre Richtung, durchquert ruhige Flächen, erschließt unbekannte Dreidimensionalitäten, entwirft neue „Gebärformen“ und lässt neue Geschöpfe entstehen. Die Energie kehrt stets zurück. Es sind Mutationen im ständigen Wechselspiel zwischen dem Informellen und dem Abstrakten: eine Synergie aus Hell-Dunkel, Tönen und mitunter scharfen Kontrasten. Es gibt Pausen, Momente der Besinnung. Doch nichts kommt zum Stillstand oder flacht ab; das Werk vermittelt eine Semantik aus Orten, dynamischen Perspektiven, so reichhaltig, dass sie in den mitunter begrenzten Räumen eines einzelnen Gemäldes zu implodieren droht. So sehr, dass Paola, anstatt sie einzusperren, ihre Erzählung manchmal zu einem Diptychon oder Triptychon erweitert. Wer möchte, kann sozusagen einen „parakognitiven“ Zugang versuchen und sich die Illusion verschaffen, eine organische Morphologie in der Komposition wahrzunehmen oder vielmehr zu entdecken. Oftmals weckt der Übergang zwischen informellen Kompositionen unwillkürliche Anspielungen oder Intuitionen, die von einem rein ästhetischen Erbe hervorgerufen werden. In der zeitgenössischen Kunst genügt der informelle Ausdruck, um selbst „figurative“ Visionen zu vermitteln. Paolas kreativem Prozess kommt die Verwendung verschiedener Medien eine zentrale Bedeutung zu. Hieraus resultiert ihre Neugier und Vorliebe für die Wechselwirkungen unterschiedlicher Materialien und Bildträger. Eine hervorragende und freudvolle Möglichkeit, raffinierte Effekte zwischen vorhersehbaren Zusammenhängen und feinsten Zufällen zu erzielen. Unterschiedliche Materialstärken erzeugen faszinierende Reliefs, die das Bildfeld strukturieren. Einfacher ausgedrückt: Papier, Glas, Klebstoffe, Tempera, Acrylfarben und andere ungewöhnliche Elemente verleihen Prozessen, die frei von Konventionen und Vorgaben sind, Leben und Substanz und bestätigen gleichzeitig die aktive und entscheidende Rolle des Experimentierens.
PAOLA BRADAMANTE, Enrico Farina (Ausstellung PAPEL MOJADO)
Blumen oder Glocken zu malen erfordert beträchtliches malerisches Können, doch den Duft von Blumen oder den Klang von Glocken einzufangen, ist etwas ganz anderes. Kurz gesagt, das ist der Unterschied zwischen figurativer und abstrakter Kunst. In beiden Fällen lassen sich Werke von hohem Wert oder von geringerer Qualität schaffen. Abstrakte Kunst zu lieben erfordert eine andere Interpretationskraft, denn man muss sich, mit geschlossenen Augen, in die Welt des Unbestimmbaren, des Substanzlosen vertiefen; in jene körperlose Welt, die Gedankensprünge, Visionen jenseits des Offensichtlichen hervorruft. Emotionen. Und genau diese Emotionen drückt Paola Bradamante seit Jahren in ihrer Kunst aus. Mit dicken, kraftvoll voluminösen Farbschichten, meisterhaft gestaltet und geformt mit ungewöhnlichen Bildträgern und Materialien, wie wir sie bereits in ihren anderen Bildserien bewundert haben, begibt sie sich in dieser Ausstellung auf eine neue Reise. Eine interessante, mutige, beinahe minimalistische Erfahrung, angesichts der Schlichtheit der Materialien. „Papel mojado“ auf Spanisch; „carta bagnata“ auf Italienisch. Simpel, aber ich würde noch weiter gehen: genial. Papiere, die bereits ihr eigenes Pigment enthalten und es, sobald es nass ist, fließen lassen. Paolas Kunstfertigkeit liegt darin, diesen Prozess künstlerisch zu „steuern“, indem sie die feinen Fasern mit Händen, Spachteln oder anderen Hilfsmitteln bearbeitet. Das mit Klebstoffen vermischte nasse Papier erwacht zum Leben; die Farbe schmilzt, prägt sich kraftvoll zwischen bewussten und raffinierten Faltungen ein, verblasst von der Dreidimensionalität zu geheimnisvollen zweidimensionalen Flächen und erzeugt so eine ätherische und einhüllende Dialektik. Pulsierend. Doch es geht nicht um reine Technik oder exquisite Handwerkskunst, nicht um die bloße Anhäufung von Formen und Farben, sondern vielmehr um die Suche nach einer persönlichen Interpretation der stillen Sprache der Formen, Farbkombinationen oder, noch faszinierender, der ausdrucksstarken und subtilen Erkundung, die einer extrem reduzierten und übertriebenen, an Monochromie grenzenden Farbpalette innewohnt. Das Spiel der Kontraste ist explosiv, sowohl in den zerfallenden und unzusammenhängenden Formen als auch in den Farben, mit einer Vorherrschaft des Lichts oder, im Gegenteil, entschieden dunklen Hintergründen, die ungestüm der heiteren oder düsteren Stimmung des Augenblicks folgen, in dem der Künstler seine Persönlichkeit entfaltet. Schwarz und Weiß unterstützen die anderen Farbtöne, interagieren mit ihnen und verstärken sie. Jedes Werk hat seinen eigenen Ausgangspunkt, ein musikalisches „A“ oder, um einen etwas gewagten biologischen Vergleich zu bemühen, einen kleinen Lotsenfisch, der den Betrachter leitet, während er das Zusammenspiel der auf der Leinwand oder direkt auf den Glasträgern modellierten Muster betrachtet. Transparenzspiele, die die Analyse aussetzen und die Möglichkeit bieten, in die verschlungenen Linien eines bewusst gestalteten Gewirrs verzweigter Formen einzutauchen, die aus der Leinwand hervorzuquellen scheinen, um ihre Ausdruckskraft vertikal zu entfesseln. Räumliche Visionen im wahrsten Sinne des Wortes, Visionen, die an Satellitenbilder einer unsichtbaren Natur aus menschlicher Höhe erinnern oder, im Gegensatz dazu, an mikroskopische und ebenso unsichtbare Visionen wie die lebenden oder statischen Zellen geschnittener und polierter [besser: geschliffener] Kristalle. Paolas Kunst will langsam aufgenommen werden, indem man den Blick tief in das Bild eindringen lässt, das einen beobachtet und sich zur Interpretation anbietet. So kann man sich im chaotischen Strudel eines Vulkans wiederfinden, im Zentrum einer Galaxie, zwischen den weißen Dünen einer sengenden Wüste, zwischen den feinen Adern eines Blattes oder in der zarten, feuchten Watte flüchtiger blauer Wolken. Wie Paola es schafft, diese intellektuellen Eindrücke zu vermitteln, ist ihr Geheimnis; ja, es ist ihre Kunst. Denn Paolas Kunst ist eben ihr Spiegelbild. Ein turbulentes Bild einer lebhaften, überschwänglichen Persönlichkeit, oft chaotisch, aber reich an immer weiter aufblühenden Gefühlen.
PAOLA BRADAMANTE, Enrico Farina
Zweidimensionale Farbdynamik. Kein Rätsel, geschweige denn ein Zungenbrecher. Es ist die prägnante Definition von Paola Bradamantes Kunst. Eine Kunst, die den Betrachter von flachen Oberflächen in unendliche Tiefen entführt und ihm das Gefühl vermittelt, Zenit und Nadir wahrzunehmen. Ein Farbspektrum, das der Statik der Leinwand entflieht und nach unmöglichen Horizonten strebt. Der entschlossene und sichere Pinselstrich hüllt den Betrachter in eine beinahe hypnotische Spirale und lenkt den Fokus über die Vertikale der Leinwand hinaus. Gezielte Verwirrung. Organisiertes Chaos. Kunst pur. Lebendige Parallelen, kaleidoskopische Wellen, vielleicht sogar Klänge. Farbnuancen, hörbar in einer fast mystischen Stille. Konzentration. Eine herausfordernde Auseinandersetzung mit einer pulsierenden Weite. Ich wiederhole: Kunst. Kunst konzentriert wie ein schwarzes Loch. Zweidimensionale Illusionen, kühn hinausgeschleudert. Paolas Mut. Paolas Charakter. Paolas Energie. Eine Künstlerin, immer in Bewegung, eine überschäumende Persönlichkeit, geballte Lebenskraft. Was sie sieht, interpretiert sie und malt es dann. Sie malt Emotionen, sie malt das Surreale, sie malt sich selbst. Paola ist auch Fotografin, und das sieht man. Sie zeigt es, indem sie die Schwingungen der Bewegung aufspürt, die Seele des Bildes sucht. Sie betrachtet genau. Sie denkt nach. Sie bricht aus. Stille Werke, die sich zu einem modulierten Schrei verweben. Herausfordernde Lektüre. Die Suche nach Farbe, die in Monochromie verblasst. Fotografische Liebe zu Schwarzweiß. Durchdachte und doch instinktive Proportionen. Gezügelte Verwirrung. Energie, die aus Grenzen hervortritt und zurückkehrt. Die Spachtel bearbeitet den Untergrund, schabt ihn ab; die materielle Fülle der Farbe setzt sich in einer Dicke ab, die direkt proportional zu ihren momentanen Emotionen ist. Ihr immerwährendes Lächeln blitzt ebenfalls in ihren Werken auf. Unbeschwert, flüchtig, verführerisch. Ihr Geist schweift weit fort, jenseits der Horizontalen, und klopft an fantastische Ufer, wo das Gleichgewicht zwischen Wahrheit und Fiktion zerbrechlich ist. Fantastische Orte, gemalte Romane. Kunst. Paolas Werke sind nicht einfach nur zum Betrachten gedacht: Man muss sie erleben, indem man sie trägt, indem man in den aktiven Wirbelwind der Formen eintaucht, in einer durchdringenden, fließenden Osmose... um sich in künstlerisches Vergnügen zu vertiefen.